Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Die moderne Radiologie ist in der heutigen Zeit in der Diagnosestellung und Behandlung von Erkrankungen nicht mehr wegzudenken. Dabei steht sie für einen stetigen Fortschritt und ein hohes Maß an Innovationen. Mit dem kompletten Spektrum neuester Untersuchungsmethoden führen wir Sie mit der richtigen Diagnose zur erfolgreichen Therapie.

Als fünfte Klinik überhaupt und als erste in NRW ist die Radiologie am Evangelischen Krankenhaus Mülheim von der Deutschen Gesellschaft für interventionelle Radiologie als Zentrum zertifiziert worden.

Chefarzt

Chefarzt Prof. Dr. med. 
Claus Nolte-Ernsting
Tel.: 0208 309-2701
Fax: 0208 309-2725
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Weitere Verfahren

Radiofrequenz-Ablation (RFA)

Die Radiofrequenz-Ablation (RFA), auch Thermoablation genannt, ermöglicht uns, auch bei nicht operablem Patienten das bösartige Gewebe mittels einer nur im Tumor erzeugten Hitze zu zerstören. Dabei zeichnet sich die Methode in geübten Händen durch einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig guter Verträglichkeit und geringer Nebenwirkung aus. Als minimal-invasives Verfahren wird der bösartige Tumor behandelt und gleichzeitig gesundes Gewebe geschont. Als eine der wenigen radiologischen Institute in der Region können wir auf eine mehrjährige Erfahrung im Umgang mit der RFA zurückgreifen.

Wie funktioniert die RFA?

Die Hitze im Tumor wird über einen hochfrequenten elektrischen Strom erzeugt. Hierfür ist es notwendig, eine nur 2-3 mm dünne Elektrodennadel, die sogenannte Ablationssonde, durch die Haut zentral im Tumorherd zu platzieren. Diese Sonden stehen in mehreren Ausführungen zur Verfügung. Die Auswahl wird an den zu behandelnden Tumor angepasst.

Die Lage der Ablationssonde wird mittels einer Schnittbilduntersuchung (Computertomographie, CT) kontrolliert. Mit dieser Methode ist es möglich die Sonde im Millimeterbereich genau zu platzieren und auch die laufende Prozedur bis zum erfolgreichen Ergebnis zu überwachen.

Das RFA-Gerät misst während der Hitzeerzeugung automatisch den lokalen elektrischen Widerstand wodurch der Ablationsvorgang gesteuert wird.

Welche Tumoren können mit der RFA behandelt werden?

Sehr gut geeignet sind Tumoren der Leber. Das können sowohl Primärtumoren (hepatozelluläres Karzinom, Cholangiozelluläres Karzinom) als auch Metastasen sein. Auch Tumore/Metastasen der Lunge, Nieren und der Knochen sind mit dieser Methode gut zu behandeln.

Weitere Einsatzmöglichkeiten dieser Form der Therapie sind Verkleinerungen sehr großer Tumore, Behandlung von Tumorschmerzen der Wirbelsäule und die Therapie des Osteoid-Osteoms, einem gutartigen Knochentumor und von Uterusmyomen.

Unter welchen Umständen kann die RFA nicht eingesetzt werden?

Bei allen Maßnahmen, in denen man ein Fremdmaterial in den Körper eines Patienten einführt, darf keine Gerinnungsstörung oder ein Infekt am Zielorgan vorliegen. Dies gilt in gleichem Maße für die RFA. In seltenen Fällen kann die Lage des Tumors eine RFA unmöglich machen. Dann liegen lebenswichtige anatomische Strukturen wie z.B. große Blutgefäße zu nah am Tumor. Dies lässt sich leicht mittels einer zuvor durchgeführten Schnittbilduntersuchung direkt klären.

Folgende Grenzen der Behandlung liegen vor:

  • maximaler Durchmesser des Tumors > 5 cm
  • mehr als 5 Herde in der Leber
  • mehr als 3 Herde je Lungenflügel
  • diffus (unregelmäßig) wachsender Tumorprozess

Für die Durchführung einer RFA ist eine kurze Vollnarkose notwendig. Im Vorfeld des Eingriffes wird daher ein Anästhesiegespräch stattfinden, in dem alle Voraussetzungen für eine Kurznarkose erläutert und geklärt werden.

Was ist im Vorfeld einer RFA zu klären?

Die Indikation (=Rechtfertigung) zur RFA wird immer in Absprache mit allen beteiligten Fachabteilungen in unserer allwöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz gestellt. In der Konferenz werden alle wesentlichen Ergebnisse des klinischen Verlaufes, der Laborparameter und diagnostischer Voruntersuchungen erörtert, um eine bestmögliche Therapie zu gewährleisten.

Vor dem Eingriff wird ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit Ihnen durchgeführt.

Am Tag des Eingriffs wird durch den Anästhesiearzt eine Prämedikation (Beruhigungsmittel) verabreicht und unmittelbar vor dem Eingriff die Narkose eingeleitet. Über die gesamte Dauer des Eingriffs stehen Sie unter stetiger ärztlicher Überwachung.

Wie lange dauert der stationäre Aufenthalt?

Aus eigener Erfahrung wird eine RFA-Behandlung sehr gut vertragen. Schon wenige Stunden, nachdem Sie wieder aufgewacht sind, können Sie zurück auf eine periphere Station gebracht werden. Nach 48 Stunden erhält jeder Patient eine Kontrollaufnahme mittels Computertomographie. Danach sollte eine weitere Kontrolle nach Absprache in 6-8 Wochen und im Rahmen der Tumornachsorge stattfinden.

Insgesamt ist ein 3 tägiger stationärer Aufenthalt einzuplanen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Der Einsatz der RFA ist bewährt und sehr sicher. Trotzdem lassen sich Komplikationen nicht komplett ausschließen. Denkbar sind Einblutungen am behandelten Organ. Diese sind in der Regel selbstlimitierend und führen zu keiner weiteren Behandlung. Sehr selten ist eine Blutung durch eine Operation zu stillen. Unter der sehr exakten Steuerung der Therapie mittels Computertomographie ist eine Verletzung lebenswichtiger Organe ausgesprochen selten.

Einer Infektion wird durch die Gabe eines Antibiotikums vor und nach dem Eingriff vorgebeugt.

Allergien auf während der RFA gegebene Medikamente, z.B. Kontrastmittel, können vorliegen. Dies wird im ausführlichen Aufklärungsgespräch mit Ihnen abgeklärt und mit einer entsprechenden medikamentösen Vorbehandlung berücksichtigt.

Eine spezielle Komplikation ist an der Lunge möglich. Diese bezeichnet man als Pneumothorax: Dringt Luft zwischen Lunge und Brustwand kann ein Zusammenfallen der Lunge die Folge sein (Pneumothorax). Ein kleiner Pneumothorax wird meistens von dem Patienten nicht bemerkt und bildet sich von alleine zurück. Bei einem größeren Pneumothorax wird eine Drainagenanlage notwendig. D.h. eine kleine Kunststoffkanüle wird in den Brustkorb eingelegt, über die die überschüssige Luft abgesaugt wird.

Das Posttherapiesyndrom ist eine Reaktion des Körpers auf das abgestorbene Gewebe, das sich über wenige Tage mit Übelkeit und Schmerzen äußern kann. Leichte Schmerz- und Übelkeitsmedikamente helfen hier bei Bedarf gut.

Kann eine RFA wiederholt werden?

Ja. Sollte ein neuer Tumor entstehen oder ein Rezidiv in der Nachsorge auffallen, kann eine RFA wiederholt werden. Sollte es notwendig sein, dass mehr als 2 Metastasen mittels RFA zu behandeln sind, müssen ggf. mehrere Therapiesitzungen eingeplant werden.